Als Mainzweiler drei Autokennzeichen bekam
Eine unterhaltsame und zugleich informative Lesung zur Gebiets- und Verwaltungsreform im Landkreis Neunkirchen begeisterte zahlreiche heimat- und geschichtsinteressierte Besucherinnen und Besucher. Im historischen Sitzungssaal des Landratsamtes kamen sie bei dieser besonderen Veranstaltung voll auf ihre Kosten.
Die Stadtbibliothek Neunkirchen unterstützte die Veranstaltung mit einer kleinen Ausstellung aus Büchern und Dokumenten zur Reform. Im Mittelpunkt stand das neu erschienene Sammelwerk „50 Jahre Gebiets- und Verwaltungsreform im Saarland – Was ist, was war, was wird daraus?“. Drei Autoren aus dem Landkreis Neunkirchen wirkten daran mit, darunter Landrat Sören Meng, der ehemalige Neunkircher Oberbürgermeister Friedrich Decker, Werner Butz, sowie Hans Günther Maas.
Zu Beginn erläuterte Friedrich Denne, Vorsitzender des Vereins für Landeskunde im Saarland, die Beweggründe für die Entstehung des Buches. Herausgekommen ist ein ebenso fundiertes wie unterhaltsames Werk des saarländischen Innenministeriums, das die vielen Facetten dieser tiefgreifenden Reform beleuchtet. Ein zentrales gemeinsames Motiv zog sich durch alle Beiträge: Im gesamten Landkreis gab es damals erhebliche Widerstände gegen die Reform.
Landrat Sören Meng erinnerte in seinem Beitrag sowohl an Anekdoten als auch an teils heftige Debatten im Kreistag. Sein damaliger Amtsvorgänger, Landrat Dr. Günter Schwehm, hatte die Reform einst als „Objekt technokratischen Vollkommenheitsstrebens“ kritisiert. Meng berichtete zudem, dass sich in seiner damaligen Heimatgemeinde Wiebelskirchen über 90 Prozent der Bürgerinnen und Bürger gegen die Reform und die Eingliederung nach Neunkirchen ausgesprochen hatten.
Der ehemalige Oberbürgermeister Friedrich Decker schilderte aus eigener Erfahrung, wie intensiv die Diskussionen geführt wurden, insbesondere um die Frage, den Sitz des Landratsamtes von Ottweiler nach Neunkirchen zu verlagern. Der Widerstand hierzu war groß und kam aus unterschiedlichen Richtungen. Erst Anfang der 2000er Jahre wurde schließlich der Bau eines kleinen Landratsamtes in Neunkirchen realisiert. Der Sitz blieb bis heute in Ottweiler im Witwenpalais. Auch die Ausgliederung des Bayerisch Kohlhof aus dem Landkreis Neunkirchen zum Saarpfalzkreis skizzierte Decker.
Hans Günther Maas beleuchtete die Gebietsreform aus der Perspektive der Gemeinde Eppelborn, die im Zuge der Reform deutlich verkleinert wurde. Mit einem anschaulichen Vortrag berichtete Werner Butz von erheblichen Widerständen in Mainzweiler, wo man sich lieber weiterhin dem Landkreis St. Wendel zugehörig gefühlt hatte. Kurios: Innerhalb weniger Monate wechselte Mainzweiler gleich mehrfach das Autokennzeichen – von WND über OTW bis schließlich NK.
Eins machte die Lesung deutlich: „Der Blick zurück zeigt, wie tiefgreifend diese politischen Entscheidungen unsere Heimat verändert haben. Die Gebiets- und Verwaltungsreform war ein großer Einschnitt für viele Bürgerinnen und Bürger und ist zum Teil heute noch spürbar“, resümierte Landrat Sören Meng.
Das Buch ist zum Preis von 24,90 Euro im Buchhandel erhältlich und kann im Onlineshop des LVGL (Landesamt für Vermessung, Geoinformation und Landentwicklung) erworben werden.







