Allgemeine Infos und Presse-Informationen rund um den Demenzverein






Das etwas andere Demenzcafé im Landkreis Neunkirchen sucht Ehrenamtliche




Angehörigengruppe Café Segen




Leitfaden für pflegende Angehörige erschienen

Foto von links: Dr. Klaus Herz, Volker Schwarz, Landrat Sören Meng, Martina Maas, Birgit Mohns-Welsch und Thomas Hans.

Neue Broschüre des Demenzverein

Seit 2003 engagiert sich der Demenzverein im Landkreis Neunkirchen für Menschen, die an Demenz erkrankt sind und ihre Angehörigen. Jetzt präsentierte der Demenzverein einen Leitfaden für pflegende Angehörige zum Umgang mit demenzerkrankten Menschen. Seit September 2013 ist der Demenzverein im Landkreis Neunkirchen Partner des vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderten Projektes „Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz“. Nach der Gründung eines Runden Tisches Demenz im Landkreis Neunkirchen im Frühjahr 2014 konnte im vergangenen Jahr eine erste Bilanz der Projektarbeit gezogen werden. In unterschiedlichen Arbeitsgruppen wurde immer wieder auf die Wichtigkeit einer guten Biographiearbeit in der Häuslichkeit wie auch bei der Versorgung und Betreuung in teilstationären und stationären Einrichtungen hingewiesen.

 

„Der vorliegende Leitfaden unterstützt aktiv die Betreuung von an demenzerkrankten Menschen und gibt auch Angehörigen eine wichtige Hilfe.“ Herzlichen Dank an Martina Maas, Pflegeberaterin beim Pflegestützpunkt des Landkreises Neunkirchen und Thomas Hans, Fachdienstleister des Allgemeinen Sozialen Dienstes beim Caritasverband für die Region Schaumberg-Blies, die diesen Leitfaden erstellt haben. Da der Leitfaden auch im Internet abrufbar ist, steht er den Menschen über die Grenzen unseres Kreises hinaus zur Verfügung, betont Landrat Sören Meng, der zugleich Vorsitzender des Demenzvereins im Landkreis Neunkirchen ist.

Die zweiundvierzigseitige Broschüre enthält einen ausführlichen Biographiebogen der von Angehörigen bzw. den an demenzerkrankten Menschen und nahestehenden Personen ausgefüllt werden kann. „Der Bogen wird bei pflegenden Angehörigen beim Ausfüllen gemeinsame Erinnerungen auffrischen und dabei den Menschen mit Demenz nicht defizitär beschreiben, sondern als gewordenen Menschen mit einer langen, bunten Lebensgeschichte und bis zu seinem Lebensende erhaltenden Fähigkeiten sehen“, betonen die Autoren Martina Maas und Thomas Hans. Auch der Stellvertretende Vorsitzende des Vereines, Dr. Klaus Herz, der Chefarzt der Illinger Klinik St. Hedwig ist, lobte die neue Publikation. Hier könnten Betroffene Menschen gezielter, individueller betreut werden. Der Leitfaden ist in gedruckter Form erhältlich beim Demenzverein im Landkreis Neunkirchen, Geschäftsstelle Ottweiler, Martin-Luther-Str. 2, 66564 Ottweiler, Telefon: 06824-906-2154, E-Mail: demenzverein@landkreis-neunkirchen.de oder auch im Internet als Download unter www.demenzverein-neunkirchen.de

 

>> Leitfaden hier zum Download

 

 




Broschüre: Rückblick 2013-2015 sowie Ausblick 2016-2018

Download Broschüre





So schützen Sie Ihr Gehirn vor Alzheimer

Deutschlands Top-Gedächtnis-Forscher sagt, wie Ihr Kopf fit bleibt


Von Katharina Wolf

Heute Teil 1:
Deutschlands Top-Gedächtnis-Forscher sagt, wie Ihr Kopf fit bleibt

Es ist die Schaltzentrale unseres Lebens: 100 Milliarden Nervenzellen steuern von hier aus, was wir denken, fühlen, riechen oder schmecken. Das menschliche Gehirn – genialer als jeder Computer.

Es wiegt nur 1500 Gramm (Mann)/1300 Gramm (Frau) und dennoch hat es unbegrenzt Speicherkapazitäten. Im täglichen Leben nutzen wir gerade mal zehn Prozent (!) seines Leistungsvermögens. Etwa 10 000 Wörter haben wir in unserem Gedächtnis abgelegt.

Doch auch unser Gehirn kann krank werden – 1,3 Millionen Deutsche, drei Prozent aller 60- bis 65jährigen, leiden unter Alzheimer, einem Abbau der Gehirnsubstanz.

Wie bringen wir unser Gedächtnis besser in Form?
Was können wir gegen Vergeßlichkeit tun?
Gibt es einen Schutz vor Alzheimer?


Professor Dr. Hans Georg Nehen (57), Chef der Memory Clinic am Elisabeth-Krankenhaus in Essen, verrät, wie wir unser Gehirn fit halten:

Neugierig bleiben!

Unser Gedächtnis ist wie ein Muskel, der ständig trainiert werden muß.
Damit unsere Datenautobahn im Gehirn funktioniert, ist jede Gehirnzelle mit 10 000 bis 20 000 anderen Zellen verknüpft. Da diese Verbindungsstränge (Synapsen) zum größten Teil in den ersten zwei Lebensjahren ausgebildet werden, ist es wichtig, daß besonders Kinder spielerisch gefördert werden.
Um die Synapsen aktiv zu halten, müssen wir unser Gedächtnis ständig mit neuem „Futter“ versorgen. Suchen Sie sich dazu ein Gebiet aus, daß Ihnen Spaß macht. Nur einige Möglichkeiten: Sprachen lernen, Theater ein Buch lesen, neue Städte erkunden, Klavier spielen, ein Malkurs...
Denn: Was wir mit Freude lernen, ist für unser Gehirn am effektivsten.
Auch soziale Kontakte fordern unsere Gehirnzellen. Diskutieren Sie in der Familie oder mit Freunden – egal ob über aktuelle Themen, Literatur, Politik oder Sport.

Gedächtnis-Fitness
Fordern Sie Ihr Gedächtnis durch kleine Aufgaben im Alltag: Schreiben Sie keinen Einkaufszettel, sondern merken Sie sich die Lebensmittel. Lernen Sie jeden Tag eine Telefonnummer auswendig. Rechnen Sie beim Einkaufen im Kopf die Preise der Lebensmittel zusammen

Lernen mit Gefühl
Eine kleine Testfrage: Was haben Sie am 11. September 2001 gemacht?
Wahrscheinlich werden Sie sich noch genau erinnern, wo Sie damals waren, als die Anschläge passierten.
Warum? Weil wir uns besonders stark an die Dinge erinnern, zu denen wir eine emotionale Beziehung haben.
Je mehr wir uns für bestimmte Inhalte interessieren und sie nicht nur stur auswendig lernen, desto intensiver bleiben sie uns im Gedächtnis.
Sie müssen eine wichtige Nummer auswendig lernen? Stellen Sie zu den Ziffern eine persönliche Verbindung her (zum Beispiel 2 = Geburtsmonat, 3 = Kennenlerntag, 73 = Hochzeitsjahr etc.).

Entspannung
Unser Gehirn ist 24 Stunden im Einsatz, arbeitet auch im Schlaf.
Trotzdem braucht es Ruhephasen, in denen es keinen äußeren Einflüssen ausgesetzt ist. Nach besonders hohen Belastungen (Prüfung, Vortrag) braucht es Zeit, sich zu regenerieren. Zum Beispiel durch Musik hören, Sport, Schlafen ...
Und geben Sie Ihrem Gedächtnis die Chance, Informationen in Ruhe zu verarbeiten.
Schon wenn wir 45 bis 60 Minuten eine anspruchsvolle Sendung sehen, die unsere volle Aufmerksamkeit erfordert, gelangt das Gehirn an seine Grenzen.

Besser Denken mit Bewegung
Bereits ein wenig Sport hilft, das Aktivitätsniveau im Gehirn zu verbessern. Denn beim Schwimmen, Radfahren oder Joggen müssen Tausende Gehirnzellen zusammenarbeiten. Es gibt zahlreiche Untersuchungen, die belegen, daß unser Gedächtnis viel effektiver arbeitet, wenn wir in Bewegung sind.
Sie müssen einen Text oder Vokabeln lernen? Gehen Sie spazieren!

Clever essen
Nur eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse versorgt das Gehirn optimal mit Biostoffen.
Besonders wertvoll sind Aminosäuren (Eiweiße), die in Fisch, Geflügel, Cashewnüssen, Avocados, grünen Salaten oder Fenchel enthalten sind. Lecithin aus Soja, Erdnüssen oder Eiprodukten. Versuchen Sie, sich möglichst fettarm zu ernähren – ein Blick aufs Etikett lohnt sich! Ein Glas Rotwein am Abend ist fast Medizin – es enthält Antioxidantien, die unsere Gehirnzellen schützen.
Übermäßiger Alkoholgenuß dagegen wie täglich eine Flasche Wein und mehr betäubt unsere Gehirnzellen und kann sie zerstören. Genauso wie Nikotin und die regelmäßige Einnahme von Schlafmitteln.

Was schützt vor Alzheimer?

So traurig es auch ist – Alzheimer ist Schicksal, in unseren Genen vorprogrammiert. Aber ein gut trainiertes Gehirn bildet viele Nervenkontaktstellen und bewahrt uns vor einem frühen Ausbruch der Krankheit. Denn bei Alzheimer werden Verbindungsstellen zwischen den Gehirnzellen zerstört. Sind diese besonders gut ausgeprägt, macht sich die Krankheit erst später bemerkbar.

Zusätzliche Infos Beratung und Broschüren zum Thema Alzheimer: Deutsche Alzheimer Gesellschaft, 01803-171017 (www.deutsche-alzheimer.de). Informationen zum Gedächtnistraining: www.bvgt.de

Quelle: Bild-Zeitung




Handlungsfelder der Zukunft erkennen

Leitstelle des Demenzvereins
Leitstelle des Demenzvereins

Rahmenkonzept für an Demenz erkrankte Menschen wurde vorgestellt


Im neuen Landratsamt in Neunkirchen wurde das Rahmenkonzept zur Weiterentwicklung der Versorgung Demenzkranker, das das Münchner Institut "aufschwungalt" entwickelt hat, vorgestellt. Eingeladen zum "runden Tisch Demenz" hatte die Leitstelle "Älter werden" des Landkreises Neunkirchen und der Demenzverein. Ziel dieser Zusammenkunft ist ein Austausch zwischen den in der Pflege von Demenzkranken tätigen Menschen und Institutionen. Auch Angehörige der Erkrankten sind willkommen, sie können ihre Erfahrungen einbringen. "Das neue Gutachten soll als Diskussionsgrundlage dienen. In den nächsten Jahren wird durch die stetige Alterung der Gesellschaft auch der Anteil an Demenzkranken steigen. Bereits im Jahr 2030 wird es voraussichtlich rund 2 Millionen Erkrankte bundesweit geben. Umso wichtiger ist es, über eine Weiterentwicklung der Betreuung von Patienten und Angehörigen zu denken", führte Sozialdezernentin Birgit Mohns-Welsch aus. Sabine Tschainer, Leiterin des Münchner Institutes, hob die enorme Wichtigkeit solcher Anstrengungen hervor: "Es dauert oft Jahre bis optimale Versorgungsstrukturen geschaffen sind. Umso wichtiger ist es, frühzeitig Weichenstellungen zu treffen. Von Entlastungsangeboten für Angehörige wie die stundenweise Betreuung der an Demenz Erkrankten bis hin zur stationären Versorgung reicht das Spektrum". Die Theologin und Psycho-Gerontologin formulierte mehrere Handlungsfelder der Zukunft. In Zeiten finanziell knapper Mittel sollten alle Möglichkeiten der Vernetzung ausgeschöpft werden. "Der runde Tisch ist ein guter Ansatz. Hier sollen sich alle Akteure gegenseitig über ihre Angebote informieren. Ein Ergebnis könnte ein gemeinsamer Wegweiser sein", so Sabine Tschainer. Die Öffentlichkeitsarbeit, das stellten alle Anwesenden fest, wäre für alle Beteiligten sehr wichtig. "Die Menschen müssen wissen, wo sie sich im Bedarfsfall hinwenden können. Hier spielt eine gute Öffentlichkeitsarbeit eine wichtige Rolle", so Volker Schwarz von der Leitstelle "Älter werden". Das Konzept von "aufschwungalt" sieht drei Säulen vor. Säule 1 behandelt die Versorgungsstruktur, Säule 2 gibt Anregungen zu Kooperationen, Säule 3 setzt Medienarbeit voraus. Das vorgestellte Konzept soll jetzt diskutiert werden.




Neues Projekt vorgestellt

Caritas informierte Demenz-Verein


Ein neues Projekt bietet der Caritasverband für die Region Schaumberg-Blies an. Demenzkranke Menschen sollen künftig stundenweise durch geschulte ehrenamtliche Kräfte betreut werden, um Angehörige zu entlasten. Der Geschäftführer des Caritasverbandes Michael Schütz und der Fachdienstleiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes Thomas Hans stellten den Vorstandsmitgliedern des Demenz-Vereines im Landkreis Neunkirchen die Schwerpunkte des Projektes dar. "Die Versorgung Demenzkranker im häuslichen Bereich und insbesondere die notwendige Entlastung der pflegenden Angehörigen beschäftigt unseren Verband schon längere Zeit. Mit dem Projekt "Hand in Hand" setzt der Caritasverband bewusst auf ein Unterstützungsangebot durch ehrenamtliche Mitarbeiter in der vertrauten häuslichen Umgebung der Demenzkranken", führte Schütz aus. Thomas Hans stellte das Leistungsspektrum des Projektes vor. So soll die häusliche Betreuung Demenzkranker ausschließlich durch geschulte Ehrenamtliche mit einer zeitlichen Begrenzung von höchstens drei Stunden pro Woche erfolgen. "Die Schulung und Begleitung der Ehrenamtlichen ist für uns verpflichtend. Unser Kurs wird von Fachleuten im Bereich Demenz durchgeführt. Nach Beginn der ehrenamtlichen Arbeit wird eine Koordinierungsstelle eingerichtet, die den Ehrenamtlichen und auch den pflegenden Angehörigen mit Rat und Tat zur Seite steht", so Hans. Eine Einführungsveranstaltung zu diesem Projekt findet am 24.11. um 19.00 Uhr im Haus der Caritas, Hüttenbergstraße 42 in Neunkirchen statt. Weitere Informationen zu Teilnahmebedingungen, Ausbildungseinheiten und Terminen erteilt das Team der Caritas unter 06821/92090. Der Vorsitzende des Demenzvereines Landrat Dr. Rudolf Hinsberger begrüßte die Bemühungen des Caritas-Verbandes: "Durch die Verschiebung der Alterspyramide und das damit verbundene höhere Lebensalter erhöht das Risiko, an Demenz zu erkranken. Rund 25 000 Demenzkranke gibt es derzeit im Saarland. Viele von ihnen werden zu Hause betreut. Es ist wichtig, dass die Angehörigen Hilfe erfahren und entlastet werden." Der zweite Vorsitzende des Vereines Dr. Klaus Herz erklärte, der Verein werde sich auch in Zukunft dafür einsetzen, dass Menschen mehr über die Krankheit Demenz Bescheid wissen. "Vor 25 Jahren noch wusste kaum Jemand, auch viele Mediziner, genaueres über diese Krankheit. Heute sind wir schon einen Schritt weiter. Eine offene Informationsarbeit hilft Betroffenen und ihren Angehörigen."




Demenz-Forschung weckt Hoffnung

Veranstaltung des Demenz-Vereines in Illingen

Der Demenzverein im Landkreis Neunkirchen und die Leitstelle "Älter werden" des Landkreises Neunkirchen präsentierten eine interessante Veranstaltung im Union-Filmtheater Illingen. Gezeigt wurde der Film über die an Demenz erkrankte englische Schriftstellerin Iris Murdoch "Iris - Die Reise in die Dunkelheit".

Dr. med. Klaus Herz, Ärztlicher Direktor der Fachklinik St. Hedwig Illingen und zweiter Vorsitzender des Demenzvereines, informierte die zahlreichen Besucher vor Beginn des Filmes und gab Gelegenheit, Fragen rund um die Demenzkrankheit zu stellen.

Der Begriff "Demenz" bezeichnet einen Verfall der geistigen Leistungsfähigkeit. Man versteht darunter vor allem die Abnahme von Gedächtnisleistung und Denkvermögen. Dieser Verfall betrifft zunächst die Aufnahme bzw. das Wiedergeben neuer gedanklicher Inhalte, so dass die Orientierung, die Urteilsfähigkeit, aber auch die Sprach- und Rechenfähigkeit und Teile der Persönlichkeit zerstört werden. Klaus Herz hob hervor, dass die Forschung derzeit auf diesem Gebiet deutliche Fortschritte macht, schon jetzt könnte durch frühzeitiges Erkennen der Symptome mit Hilfe von Medikamenten der Verlauf der Krankheit verzögert werden. "Vieles im Bereich Demenz wird immer noch tabuisiert, Symptome werden ignoriert. Es ist wichtig, mit dem Hausarzt oder Fachärzten über mögliche Beschwerden zu sprechen, um wirkungsvolle Hilfe anbieten zu können", so Dr. Klaus Herz. Die Information über die Demenzkrankheit ist eine Aufgabe, die der Demenzverein im Landkreis Neunkirchen leisten will. Durch Öffentlichkeitsarbeit sollen die Menschen sensibilisiert werden. "Durch die demografische Entwicklung werden Menschen immer älter. Dies bedeutet gleichzeitig, dass auch die Zahl der an Demenz Erkrankten zunehmen wird, da die Demenzerkrankung in der Regel erst im höheren Lebensalter beginnt", betonte Herz.

Auch für präventives Handeln sprach sich der zweite Vorsitzende des Demenzvereines aus. Bis ins hohe Alter sei das menschliche Gehirn sehr leistungsfähig. Ständiges Lernen, gepaart mit sportlicher Betätigung und einer bewussten Ernährung, seien wichtige Faktoren, um auch als alter Mensch geistig vital zu bleiben.




SZ-Artikel

Auch hier ist Zeit kostbar

Erkrankt ein Mensch an Demenz, bedeutet dies eine radikale Veränderung seines Lebens und das seiner Familie. Pflegende Angehörige sollten keine Zeit verlieren, Hilfe von außen in Anspruch zu nehmen.


Spiesen-Elversberg. Mehr als 3000 ältere Menschen leiden im Landkreis Neunkirchen unter einer demenziellen Erkrankung. Etwa jeden Zehnten über 65-jährigen ereilen diese Hirnleistungsstörungen (beispielsweise die Alzheimer-Krankheit). Doch das Leiden der erkrankten Senioren wirkt sich auch gravierend auf ihr soziales Umfeld aus: Am Ende der Krankheit steht meist die völlige Hilflosigkeit und das andauernde Angewiesensein auf andere Menschen. Diese Menschen sind zumeist Angehörige, die ihren Ehepartner, ihre Eltern oder Schwiegereltern jahrelang zu Hause, Tag für Tag pflegen. Dabei entstehen Anforderungen, die von den meisten Pflegenden nicht auf Dauer geschultert werden können.

Hilfe von Außen, Hilfe durch Pflegekurse oder gar von professionellen Pflegekräften, wird nötig. "Wir setzen auf die Solidarität der Generationen. Auf Solidarität innerhalb der Familie, jedoch auch von Seiten ehrenamtlicher Helfer", erklärte Landrat Rudolf Hinsberger, der Vorsitzender des Demenzvereins ist, anlässlich der vierstündigen Fachtagung Demenz in der Elversberger Glück-auf-Halle.

Im November letzten Jahres gab der Landkreis eine Studie zur Untersuchung der Versorgungslage von Menschen mit demenziellen Erkrankungen im Landkreis Neunkirchen in Auftrag. Diese Bestandsaufnahme haben wir bewusst Menschen übertragen, die den Blick von außen auf unseren Landkreis haben", erklärte Hinsberger. Der Trierer Diplom-Soziologe André Günther und seine Hilfsarbeiter stellten in sechsmonatiger Arbeit die Studie zusammen, die nun anlässlich der Fachtagung vorgestellt wurde. Das 55-seitige Werk hat beeindruckende Ergebnisse an den Tag gebracht: Es vergehen durchschnittlich drei Jahre, bis Angehörige die demenzielle Erkrankung ihrer Verwandten als solche bemerken. Weitere eineinhalb Jahre, bis sie externe Hilfe, etwa von ambulanten Pflegediensten, in Anspruch nehmen.

Eine problematische Zeitverzögerung, wie Günther feststellt. Weiterhin haben die Soziologen festgestellt, dass in den meisten Gemeinden des Landkreises das Pflegeangebot für Menschen mit demenziellen Erkrankungen absolut nicht ausreichend ist. "Dabei ist die dezentrale Nähe insbesondere von Tages- und Nachtpflegeplätzen zu den Betroffenen entscheidend", so Günther. Insbesondere die Vorortversorgung in der Gemeinde Illingen haben die Forscher als weißen Punkt auf der Kreiskarte ausgemacht. "Das schwere Schicksal der Menschen darf durch den Mantel des Verschweigens und der mangelnden Information nicht noch verschlimmert werden", erklärte der gastgebende Bürgermeister Karl-Friedrich Kausch vor den rund 200 Gästen und sprach damit einen weiteren entscheidenden Punkt an: Den Informationsstand der Bevölkerung im Landkreis sehen die Trierer Soziologen als stark verbesserungsbedürftig an. Zudem müsse ein übersichtlicheres Netzwerk der Einrichtungen geschaffen werden, und neue Formen der Versorgung und der Beratung angedacht werden. Mit dem Demenzverein geht der Landkreis den richtigen Weg.

Hintergrund

Der Demenzverein im Landkreis Neunkirchen wurde am 5. Juni 2003 in Ottweiler gegründet. Ziele: Den Informationsstand und das Problembewusstsein bezüglich demenzieller Erkrankungen, sowie das Verständnis und die Hilfsbereitschaft gegenüber den Betroffenen in der Öffentlichkeit zu vermehren. Konkret sollen pflegende Angehörige unterstützt und entlastet, Mitarbeiter in der beruflichen Pflege fort- und weitergebildet und die Forschung unterstützt werden.

 

Von SZ-Mitarbeiter Marcus Septimus