Fürstenportraits im Kaminzimmer

Der Kamin und die Wandvertäfelung des Kaminzimmers im Witwenpalais sind noch im Original erhalten, jedoch wurde der Kamin, der von Friedrich Joachim Stengel ursprünglich in Stuckmarmor ausgeführt wurde, im Laufe der Baugeschichte des Hauses mehrmals versetzt.

Bis 1995 wurde der Raum als Küche des Landrates genutzt. Mit dem Abschluss der Renovierungsarbeiten im Witwenpalais 1997 wurde das Kaminzimmer in seiner jetzigen Form eingerichtet.

Das Neo-Rokoko-Möbel-Ensemble, das im Kaminzimmer ausgestellt ist, bestehend aus sechs Sesseln, einem Zweisitzer, einem Spiegel und Tisch sowie dem Fensterbehang, wurde zunächst als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt und im Jahr 2000 vom Landkreis Neunkirchen angekauft. Es stammt aus dem Besitz von Dr. Dela Schmidt-Schwarzenberg (Bous), die eine direkte Nachkommin von Johann Adam Knipper d. J. war. Knipper hatte das zerstörte Saarbrücker Schloss im 19. Jahrhundert umgebaut.

Das Ensemble hat für die Saargeschichte eine wichtige Bedeutung, vor allem, da nach der mündlichen Überlieferung der Familie Knipper der Spiegel über dem Kamin im Kaminzimmer der einzige erhaltene Spiegel aus dem Saarbrücker Schloss ist.

Fürst Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken

 

Fürst Wilhelm Heinrich wurde als fünfter Sohn des Fürsten Wilhelm Heinrich I. von Nassau-Usingen (1684 – 1718) und seiner Gemahlin Charlotte Amalie (1680 – 1738), einer geborenen Prinzessin von Nassau-Dillenburg, in Usingen geboren.

Sein Vater verstarb bereits wenige Wochen vor seiner Geburt und seine Mutter führte bis zu ihrem Tod für Wilhelm Heinrich und auch ihren älteren Sohn Karl (1712 – 1775) die Regentschaft. Sie sorgte für eine umfassende calvinistische Erziehung und ließ ihre Söhne an den Universitäten Straßburg und Genf unterrichten. Seine „Grand Tour“ als Erbprinz führte Wilhelm Heinrich in die Niederlande und an den Hof Ludwigs XV. nach Paris.

Nach dem Tod der Mutter übte sein Bruder Karl die Vormundschaft aus. Mit Wilhelm Heinrichs Volljährigkeit behielt sich Karl das rechtsrheinische Nassau-Usingen vor und Wilhelm Heinrich erhielt das davon abgetrennte linksrheinische Nassau-Saarbrücken, das mit rund 22 000 Einwohnern auf 12 Quadratmeilen zu den kleinen Herrschaften im Alten Reich gehörte.

Die außenpolitische Grundorientierung der Territorien an der Westgrenze des Heiligen Römischen Reiches war durch ihre geopolitische Lage vorgegeben. Auf der einen Seite ein übermächtiger Nachbar, darauf bedacht, zielstrebig seinen Einfluss zu sichern und – wenn die Gelegenheit günstig schien – diesen Einfluss auch auszudehnen, auf der anderen Seite eine Reichspolitik, die den Grenzterritorien im Westen wenig Rückhalt gab.

Für die Herrscher in Nassau-Saarbrücken, Kurtrier, Pfalz-Zweibrücken oder etwa Blieskastel war es freilich unerlässlich, im ureigenen Interesse das Gewicht der politischen Kräfte in Europa realistisch einzuschätzen. So konnte dies nur heißen, mit dem größten diplomatischen Geschick die freundschaftlichen Beziehungen zur französischen Krone zu pflegen, andererseits aber nicht gegen das Reichsrecht zu verstoßen.

Im Jahre 1741 trat Fürst Wilhelm Heinrich in Nassau-Saarbrücken seine Regentschaft an, und damit begann für das Territorium eine neue Blütezeit. Der Fürst verpflichtete Friedrich Joachim Stengel (1694 – 1787) als Generalbaudirektor, baute mit dessen Hilfe Saarbrücken zu einer glanzvollen Residenz aus, förderte im Rahmen seiner merkantilistischen und auf Autarkie gerichteten Wirtschaftsbestrebungen den Bergbau und das Hüttenwesen, suchte eine eigene Salzversorgung aufzubauen und setzte sich im Rahmen einer verbesserten Agrarwirtschaft, ganz nach dem Vorbild Friedrichs des Großen, für den Anbau von Kartoffeln ein. In der ehemaligen Residenzstadt Ottweiler begründete er 1763 eine Porzellanmanufaktur.

Kurz nach seinem Herrschaftsantritt nahm er mit seinem Regiment „Royal-Allemand“ am Österreichischen Erbfolgekrieg teil. 1742 verkaufte er während seines Aufenthaltes in Frankfurt anlässlich der Krönungstage sein Regiment an den Landgrafen von Hessen-Darmstadt. Zur selben Zeit lernte er dort seine künftige Ehefrau Prinzessin Sophie zu Erbach kennen. Auch am Siebenjährigen Krieg beteiligte er sich mit eigenen Truppen und stellte später Subsidienregimenter für den König von Frankreich.

Im Jahre 1742 heiratete Wilhelm Heinrich die Gräfin Sophie Erdmuthe von Erbach-Erbach (1725 – 1795), mit der er folgende Kinder hatte:

– Sophie Auguste (1743 – 1745)

– Ludwig (1745 – 1794), Fürst von Nassau-Saarbrücken – Friedrich August (1748 – 1750) – Anna Karoline (1751 – 1824) 1769 Herzog Friedrich Heinrich von Holstein-Sonderburg-Glücksburg 1782 Herzog Friedrich Karl von Braunschweig-Bevern Wilhelmine Henriette (1752 – 1829) 1783 Louis Armand de Seigliéres, Marquis de Soyecourt-Feuquiere Fürstin Sophie Erdmuthe von Nassau-Saarbrücken

 

Sophie Christine Charlotte Friedericke Erdmuthe wurde am 12. Juli 1725 in Erbach als Tochter des Grafen Georg Wilhelm von Erbach-Erbach (1686 – 1757) und seiner Gemahlin Sophie Charlotte von Bothmer, verw. Gräfin von Plauen, geboren.

 

Sie wurde in Musik, Sprachen und Literatur ausgebildet und begegnete 1742 in Frankfurt am Main, anlässlich der Wahl Kaiser Karls VII., dem jungen Fürsten Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken, mit dem sie sich am 28. Februar 1742 in Erbach vermählte.

Die Fürstin widmete sich der Erziehung der Kinder, der Kunst, Musik und Literatur, während der Fürst als französischer Offizier Karriere machte. 1744 wurde er Feldmarschall, 1748 Generalleutnant und befand sich außerdem unter den Trägern hoher Orden.

In dieser Funktion unternahm er häufig Reisen nach Paris an den Hof Ludwigs XV., welcher auch Taufpate seines Sohnes Ludwig war. Seine Gemahlin begleitete ihn, wenn es möglich war.

Ihre Freundin, die Landgräfin Caroline von Hessen-Darmstadt, verschaffte Sophie Erdmuthe Zugang zu den höchsten Kreisen der Pariser Gesellschaft.

Baron Melchior von Grimm verdankte Fürstin Sophie Erdmuthe die Verbindung zum Kreis der Enzyklopädisten und so stand sie in regem Gedankenaustausch mit Philosophen und Schriftstellern wie Voltaire und Diderot. „A SON ALTESSE SÉRÉNISSIME MADAME LA PRINCESSE DES NASSAU-SAARBRUCK“ lautet die Widmung Diderots in seiner Komödie „Le Père de famille“, die sich mit Vorurteilen der Gesellschaft auseinandersetzt und in der aufklärerisches Gedankengut zum Ausdruck kommt.

Nach dem Tode ihres Mannes übernahm Sophie Erdmuthe im Jahr 1768 für kurze Zeit die Regentschaft, bis ihr Sohn das Erbe des Vaters antrat.

Sie hatte einen ihrer Witwensitze in Ottweiler, wo sie sich auch öfter aufhielt. Von hier aus führte sie einen regen Briefkontakt mit Diderot.

1793 floh sie vor den französischen Revolutionstruppen nach Traben-Trabach, dann nach Neuwied und schließlich nach Aschaffenburg, wo sie am 10. Juni 1795 starb und beigesetzt wurde.

Mit dem Fürsten Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken hatte sie folgende Kinder:

– Sophie Auguste (1743 – 1745)

– Ludwig (1745 – 1794), Fürst von Nassau-Saarbrücken – Friedrich August (1748 – 1750) – Anna Karoline (1751 – 1824) 1769 Herzog Friedrich Heinrich von Holstein-Sonderburg-Glücksburg 1782 Herzog Friedrich Karl von Braunschweig-Bevern Wilhelmine Henriette (1752 1829) 1783 Louis Armand de Seigliéres, Marquis de Soyecourt-Feuquiere