Fürst Ludwig von Nassau-Saarbrücken

Fürst Ludwig von Nassau-Saarbrücken wurde am 3. Januar 1745 als zweites Kind und erster Sohn des Fürsten Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken und seiner Gemahlin Fürstin Sophie Erdmuthe, geb. Gräfin von Erbach-Erbach, in Saarbrücken geboren.

 

Er studierte in Straßburg und seine Bildungsreise führte den jungen Prinzen von 1759 bis 1766 nach England, in die Niederlande, durch Frankreich und Deutschland.

Am 30. Oktober 1766 heiratete Ludwig auf Schloss Schwarzburg Prinzessin Wilhelmine von Schwarzburg-Rudolstadt (1751 – 1780). Die Ehe verlief zu Anfang glücklich. Durch die Geburt ihres Sohnes Heinrich, eine schwere Krankheit und einen Reitunfall geschwächt zog sich Wilhelmine jedoch auf Schloss Halberg zurück und widmete sich ganz der Erziehung des Prinzen Heinrich (1768 – 1797).

Neben seiner Ehe zeugte Ludwig zwei uneheliche Kinder mit seiner Maitresse Freifrau Friederike Amalie von Dorsberg, geb. Dern. In ihrem Hause lernte er das ehemalige Bauernmädchen Katharina Margarethe Kest (1757 – 1829), die als Kindermädchen und Kammerzofe für Frau von Dorsberg tätig war, kennen und verliebte sich in sie.

Nach dem Tod der Fürstin heiratete er Catharina, die inzwischen zur Reichsgräfin von Ottweiler erhoben worden war, in einer morganatischen Eheschließung. Aus dieser Verbindung gingen sieben Kinder hervor, die allerdings keinen Erbanspruch auf das Haus Nassau hatten.

In kluger Einschätzung der gegebenen Machtverhältnisse auf dem europäischen Kontinent verfolgte schon Fürst Wilhelm Heinrich konsequent eine Politik der Loyalität gegenüber dem Heiligen Römischen Reich und der gleichzeitigen Pflege freundschaftlicher Beziehungen zum französischen Hof, die von Fürst Ludwig weitergeführt wurde, was ihm jedoch gegen Ende des 18. Jahrhunderts zum Verhängnis werden sollte.

Auch Fürst Ludwig wusste nur zu gut, welcher Zündstoff sich aus unklaren Grenzverhältnissen ergeben kann. Gemeinherrschaften (Kondominien), lothringische Enklaven im Saarbrückischen, die Lage der nassauischen Grafschaft Saarwerden in Lothringen, innerhalb dieser Exklave wiederum lothringischer Besitz. Einander überschneidende Rechtsverhältnisse und unklare Grenzverläufe wurden zwar im Einzelnen nicht unbedingt als gravierende Störfaktoren empfunden, waren jedoch in ihrer Summierung mehr als ärgerlich und wuchsen sich zunehmend zu einer Belastung aus.

Zudem war das Land aufgrund der teuren Hofhaltung seines Vaters hoch verschuldet und Fürst Ludwig musste unter der Aufsicht der kaiserlichen Reichschuldentilgungskommission sein Fürstentum entschulden, was ihm innerhalb von zwölf Jahren gelang.

Trotz des ihm auferlegten Sparzwangs setzte er den Bau der von Friedrich Joachim Stengel noch im Auftrag seines Vaters entworfenen „Ludwigskirche“ fort, die 1775 vollendet wurde und als eine der stilreinsten und schönsten evangelischen Barockkirchen Deutschlands, vergleichbar mit der Frauenkirche in Dresden und dem Michel in Hamburg, gilt.

In seine Regierungszeit fallen die Erlasse zahlreicher Verordnungen. Er erließ die „Verordnung gegen Trunkenheit, Karten- und Würfelspiel sowie gegen das Tanzen“ eine Kanzlei- und Prozessordnung und die Abschaffung der Folter (1778), verschiedene Verordnungen zur Land- und Forstwirtschaft (1783) und führte die allgemeine Schulpflicht (1783) ein.

Die französische Revolution veranlasste 1793 die linksrheinischen Landesfürsten ihre Heimat zu verlassen. So musste auch der damals schwerkranke Fürst Ludwig mit Catharina, den gemeinsamen Kindern und seinem Sohn aus erster Ehe mit Fürstin Wilhelmine, Erbprinz Heinrich (1768-1797), ins Exil.

Er starb am 1. März 1794 in Aschaffenburg und wurde in der Schlosskirche in Usingen bestattet. 1995 wurde er, seinem letzten Willen entsprechend, nach Saarbrücken überführt und in der Schlosskirche beigesetzt.

Ende des 18. Jahrhunderts waren alle Zweiglinien des walramschen Stammes bis auf Nassau-Weilburg und Nassau-Usingen ausgestorben. Der Tod Heinrichs von Nassau-Saarbrücken, der sich seit 1793 im Exil befand, und die kurz darauf erfolgende Einrichtung des französischen Saar-Departements, markierten den endgültigen Untergang des Fürstentums Nassau-Saarbrücken.

Damit ging eine Epoche zu Ende, die in der historischen Identität der Region bis heute nachwirkt. Doch zuweilen reist zu besonderen Anlässen die „Reichsgräfin von Ottweiler“ aus der Vergangenheit an und residiert im Witwenpalais in Ottweiler oder begleitet Reisegruppen entlang der „BarockStraße SaarPfalz“.