Goethe auf der Terasse des Schlosses zu Neunkirchen

Das zweite Großgemälde ist „Goethe auf der Terrasse des Schlosses zu Neunkirchen“. Schaffner beschreibt zunächst kurz Goethes Weg nach Neunkirchen und zitiert danach aus „Dichtung und Wahrheit“ jenen Ausschnitt, der schon im Verwaltungsbericht für die Jahre 1905/1906 herangezogen worden war:

Der Dichterfürst kam damals mit seinem Freunde Weyland von Straßburg her durch das Elsass und durch Lothringen an unsere Saar, wo er einen kurzen Ferienaufenthalt bei der Familie Günderrode in Saarbrücken im Jahre 1770 verbrachte.

Es blieb für den jungen Goethe unvergesslich, den Kontrast der köstlichen Landschaft am Fuße der Vogesen zu dem der Saar mit ihren Hütten und Gruben zu erleben. Lassen wir ihn seine Eindrücke, die er in „Dichtung und Wahrheit“ einer ihn verehrenden Nachwelt hinterließ, selbst schildern:

„Doch fast mehr als diese bedeutenden Erfahrungen interessierten uns junge Burschen einige lustige Abenteuer und bei einbrechender Finsternis unweit Neu(n)kirch(en) ein überraschendes Feuerwerk. Denn wie vor einigen Nächten an den Ufern der Saar leuchtende Wolken Johanniswürmer zwischen Fels und Busch um uns schwebten, so spielten uns nun die funkenwerfenden Essen ihr lustiges Feuerwerk entgegen.

Wir betraten bei tiefer Nacht die im Talgrunde liegenden Schmelzhütten und vergnügten uns an dem seltsamen Halbdunkel dieser Bretterhöhlen, die nur durch des glühenden Ofens geringe Öffnung kümmerlich erleuchtet werden. Das Geräusch des Wassers und der von ihm getriebenen Blasebälge, das fürchterliche Sausen und Pfeifen des Windstroms, der, in das geschmolzene Erz wütend, die Ohren betäubt und die Sinne verwirrt, trieb uns endlich hinweg, um in Neu(n)kirch(en) einzukehren, das an dem Berg hinaufgebaut ist.

Aber ungeachtet aller Mannigfaltigkeit und Unruhe des Tags konnte ich noch keine Rast finden. Ich überließ meinen Freund einem glücklichen Schlafe und suchte das höher gelegene Jagdschloss. Es blickt weit über Berg und Wälder hin, deren Umrisse nur an dem heiteren Nachthimmel zu erkennen, deren Seiten und Tiefen aber meinem Blick undurchdringlich waren. So leer als einsam stand das wohlerhaltene Gebäude; kein Kastellan, kein Jäger war zu finden.

Ich saß vor den großen Glastüren auf den Stufen, die um die ganze Terrasse her gehen. Hier mitten im Gebirge, über einer waldbewachsenen finsteren Erde, die gegen den heiteren Horizont einer Sommernacht nur noch finsterer erschien, das brennende Sterngewölbe über mir, saß ich an der verlassenen Stätte lange mit mir selbst und glaubte niemals eine solche Einsamkeit empfunden zu haben.“ Goethe war mit zwei Freunden, Engelbach und Weyland, aus Straßburg gekommen und hatte Saarbrücken und Umgebung besucht. In Neunkirchen blickte er in diesem Jahr 1770 auf ein Eisenwerk, das sich noch im Besitz der Fürsten von Nassau-Saarbrücken befand, der Landesherrschaft also, die es in der Regel verpachtete und es nur kurze Zeit betrieb. Erst im Jahre 1806 übernahmen die Gebrüder Stumm das Werk und machten es zu einem die Industrie an der Saar bestimmenden Unternehmen.

Zur Kreisstadt Ottweiler hatte Goethe allenfalls eine nur sehr indirekte Beziehung, und zwar über den Maler Johann Heinrich Schmidt, genannt Fornaro (1757 – 1828), den seine Malstudien 1787 nach Rom führten, „wo er im Kreis der dort lebenden Deutsch-Goetheraner unter dem Namen Fornaro (der Bäcker) populär wurde. Er wohnte zunächst in der deutschen Künstlerkolonie am Corso 18 – 20, in der auch Goethe während seiner zweiten italienischen Reise unter dem Namen eines Malers Möller einquartiert war.“ Festlicher Empfang des Erbprinzen Ludwig und seiner Gemahlin vor dem Witwenpalais