Landkreis Neunkirchen - Newsdetail

Bunt wie eine Genderbread-Person


Geschlechtlichkeit in all ihren Facetten war Thema eines Genderpädagogik-Workshops innerhalb der Weiterbildungsreihe „Vielfalt (er)leben“ des Landkreises Neunkirchen

 

Heimlich den Lippenstift von der Mama ausprobieren, in ihre hochhackigen Pumps schlüpfen und sich vor dem Spiegel hüftschwingend selbst bewundern – als Mädchen völlig normal, aber als Junge? Mindestens genauso prima. Falsch oder richtig gibt es nämlich nicht. Erst die Gesellschaft stülpt dem Menschen eine Geschlechterrolle über, an die er sich zu halten hat. Die französische Schriftstellerin und Philosophin Simone de Beauvoir führte das bereits in ihrem 1949 herausgegebenen Buch „Das andere Geschlecht“ aus. Dessen zentrale These lautet: „Man wird nicht als Frau geboren: Man wird dazu gemacht.“ Genau dieses Zitat nutzten die Referentinnen der FUMA Fachstelle Gender & Diversity NRW zum Einstieg in den Online-Workshop „Genderpädagogik“ im Rahmen der Weiterbildungsreihe „Vielfalt (er)leben“.

 

Eingeladen hatten Kreis-Gleichstellungsbeauftragte Heike Neurohr-Kleer und Florian Klein vom Adolf-Bender-Zentrum in St. Wendel im Rahmen der Partnerschaft für Demokratie des Landkreises Neunkirchen. Anders als Sarah Navarro und Filiz Sirin, die sich moderierend beide aus dem Homeoffice in Essen zuschalteten, wurde das kostenlose Angebot diesmal größtenteils im Saarland genutzt. In der Mehrzahl handelte es sich um Akteure aus dem Bereich der Schulsozialarbeit, der Kinder- und Jugendhilfe sowie der Frauensozialarbeit.

 

Zum „Aufwärmen“ galt es, sich mittels Biographie-Übung in die eigene Kindheit zurückzuversetzen: „Wann wurde dir klar, dass du ein Mädchen/Junge oder vielleicht weder noch bist? Was war dein liebstes Spielzeug, wie sah dein Kinderzimmer aus, mit wem warst du befreundet?“ Oft habe das Geschlecht erst im Kindergarten eine Rolle gespielt, so ein Fazit aus den Arbeitsgruppen.

 

Daran an schloss sich eine grundlegende Einführung ins Thema. Ausgehend davon, dass es sich im Gegensatz zum biologischen Geschlecht bei Gender um das soziale Geschlecht handelt, können drei Ebenen unterschieden werden: Ausdruck, Körper und Identität. Geschlechtsausdruck meint, wie sich jemand geschlechtlich ausdrückt in Hinblick auf persönliche Vorlieben, Hobbies, Interessen, Charaktereigenschaften usw. Beim Körpergeschlecht dreht sich alles um die Frage, mit welchem Körper jemand geboren wurde, sprich, was organisch/anatomisch angelegt ist. Wie sich jeder identifiziert, drückt sich in der Geschlechtsidentität aus. Neben Frau oder Mann kann das zum Beispiel auch nichtbinär, genderfluid, genderquer oder agender („sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen“) sein.

 

Mit dem Gender-Unicorn bekamen die Mitwirkenden schließlich noch ein probates Hilfsmittel an die Hand, um Kindern und Jugendlichen anhand von fünf Parametern niederschwellig zentrale Begriffe zum Thema Geschlecht aufzuzeigen. Die bunte Grafik demonstriert auf amüsante, ansprechend-visuelle Weise, wie vielschichtig die Identität einer Person sein kann. „Es ist wichtig zu betonen, dass nicht das biologische Geschlecht, sondern die Geschlechtsidentität einer Person in jedem Fall am meisten Gewicht trägt“, so Sarah Navarro.

 

Beim Austausch anschließend wurde klar, dass nicht alle so glücklich mit dem Einhorn-Symbol sind. Bedient es doch im Grunde genau die Stereotype, die man vermeiden möchte. Abhilfe schafft in dem Fall „The Genderbread Person“, die bereits alternativ zur Anwendung kommt und deutlich geschlechtsneutraler wahrgenommen wird. Ebenfalls wichtig: Egal, wo man sie sich im Moment seelisch und emotional verortet – „nichts ist konstant“, wie Filiz Sirin betonte. „Es ist eben nicht so, dass ich mich da irgendwo einordne und da bleibe ich auch.“ Ob sich beispielsweise jemand von Frauen oder Männern angezogen fühlt, ob sich jemand selbst weder als männlich noch weiblich erlebt, ob sich jemand eher maskulin oder feminin kleidet und verhält – alles das kann sich im Laufe eines Lebens ändern. Mehrfach.

 

Mehr Infos zu der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ geförderten Weiterbildungsreihe „Vielfalt (er)leben“ findet man unter: www.landkreis-neunkirchen.de und www.adolfbender.de




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