Laut gegen Rechts – Viel jugendliches Engagement gegen den schlechten Zweck



Bild: Katja Janoschek

In Neunkirchen rockten am 9.11. mehrere Bands gegen Rechtsextremismus um zu couragiertem Verhalten gegen jede Art von Menschenfeindlichkeit, Rassismus und Diskriminierung aufzurufen.

Auch beim dritten „UnStumm-Festival“ in der Stummschen Reithalle sollte ein Zeichen gesetzt werden gegen rassistische und rechtsextreme Denkweisen. Was Bands und Fans einte, war die Einstellung, dass es wichtig sei, Engagement zu zeigen gegen Hetze und Menschenfeindlichkeit sowie gegen die Fokussierung auf ausländerfeindliche Themen. Seine Motivation sei es, aktiv zu sein „gegen den schlechten Zweck“, so Richard Ziegler, Sänger der saarländischen Band „RAEP“, die mit antifaschistischen Texten „gegen gewisse Frustrationen aufgrund des Erstarken von Rechts“ ansingt. Frust bringe auch der politische Diskurs, der sich mehr um echte Probleme drehen sollte, anstatt auf von Rechts gesetzte Themen aufzuspringen. Diese Meinung teilten selbstredend auch die Bands „I am Noah“, „Captain Risiko“, „Indescent Behaviour“ und der Musiker „Ben Friday“, die im Verlauf des Abends ebenso die Bühne zum Beben brachten. Im Rahmen einer Veranstaltungsreihe des JUZ Neunkirchen, gefördert im Rahmen der „Partnerschaft für Demokratie“ des Landkreises Neunkirchen im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend“, wurde das Konzert mit thematischem Bezug zu gruppenbezogener Diskriminierung und Verfolgung von Menschen von den Jugendlichen selbst konzipiert.

Auch diesmal sollte neben der musikalischen Unterhaltung die politische Aufklärung im Vordergrund stehen und zum Engagement gegen Rechtsextremismus motivieren. Plakate mit der Aufschrift „Dieses Plakat wird nichts ändern! Aber du kannst es! Wer, wenn nicht wir? - Demokratie leben!“ waren als Aufruf zu verstehen, dass sich niemand scheuen sollte, sich gegen menschenverachtende und rassistische Verhaltensweisen sowie gegen Hass-Parolen zu positionieren. Erklärtes Ziel des Festivals ist es, zivilgesellschaftliche Werte und Normen zu vermitteln und dazu anzuregen, Demokratie und ein respektvolles Miteinander zu leben.

Mit großer Unterstützung von Lukas Wilhelm, Sänger der lokalen Band „From Fall To Spring“, die als Schülerband wiederholt zur besten des Saarlandes gewählt wurde und 2012 das Halberg-Open-Air mit ihren selbst geschriebenen Songs eröffnet hatte, wurden die Musikgruppen gebucht und die gesamte Konzertorganisation übernommen. Für ihn sei es wichtig, Argumentationen sogenannter besorgter Bürger zu enttarnen, die Angst schüren und damit niemandem helfen, und dass Aufklärung gegen Hass und Hetze von Gruppen vermittelt wird, die nah an den jungen Leuten dran sind, so Lukas Wilhelm, der mit seinem Zwillingsbruder Philip und Band rechtsextremistische Tendenzen klar verurteilt und das in Text und Auftritt auch zum Ausdruck bringt. Dass es in Neunkirchen eine aktive rechte Szene gibt, bekamen die Musiker in Kommentaren ihrer Konzertankündigung in Form von Prügelandrohung zu spüren.

Weitere Bausteine der Veranstaltungsreihe waren Filmabende zum Thema Diskriminierung, Verfolgung und Menschenfeindlichkeit sowie ein Foto- und Videovortrag der freien Journalisten Christian Ratz und John Brambach im JUZ Neunkirchen mit dem Titel „Rechts von Kandel – Antifaschismus und die rechten Strippenzieher in Kandel“.  Darin wurden sowohl die Methoden, sich Schlagzeilen und Umstände für den eigenen Zweck nutzbar zu machen, am Beispiel „Kandel“ beleuchtet als auch die Akteure und Funktionen der rechten Szene an der Saar mit ihren Aktionen sowohl im Saarland als auch im benachbarten Rheinland-Pfalz.

Desweiteren fand eine historisch-antifaschistische Stadtrundfahrt durch Neunkirchen statt, bei der die Jugendlichen die Orte von Widerstand und Verfolgung aus Neunkirchens Vergangenheit zur Zeit des nationalsozialistischen Terrors, wie zum Beispiel Standorte von Kriegsgefangenen- und Zwangsarbeitslagern, den Jüdischen Friedhof und die Mosaiken in der Lakai des KZ-Überlebenden Franz Schneider kennenlernen und dabei Informationen aus erster Hand von Zeitzeugen sammeln konnten.

Sehr stimmungsvoll war der Besuch des Theaterstückes „Integrama“ des integrativen Theaterprojekts „Schams“, in dem humorvoll vom Klischeedenken der Geflüchteten und der Deutschen erzählt wird. Mit der Teilnahme an der Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Reichspogromnacht auf dem Neunkircher Synagogenplatz waren die Jugendlichen selbst aktiv gegen das Vergessen und sollten dabei verstanden haben, dass sie nicht Schuld sind an den schrecklichen Ereignissen von damals, aber in Zukunft die Verantwortung dafür tragen, dass so etwas nie wieder geschieht.

Die Veranstaltungsreihe wurde neben dem Jugendzentrum Neunkirchen zusammen mit den Streetworkern des Landkreises Neunkirchen und dem Jugendbüro der Kreisstadt Neunkirchen organisiert und unterstützt von den kommunalen Jugendbüros im Landkreis.

Text und Bilder: Katja Janoschek