Selbstbestimmte Freizeitgestaltung in der „Mädchen-Werkstatt“


Gemeinschaftliche soziale Teilhabe mit kreativen Aktivitäten für Mädchen bietet das Neunkircher Familien- und Nachbarschaftszentrum in der Kinder-Kultur-Werkstatt.

Klischees hinterfragen, kreativ sein, eigene Ideen entwickeln und umsetzen – dazu sollen Mädchen im Alter von 8 bis 14 Jahren motiviert werden in der „Mädchen-Werkstatt“ des Familien- und Nachbarschaftszentrums in Neunkirchen. In der Kinder- und Jugendarbeit sind oftmals die Jungs dominierend, da sie häufiger an den Angeboten in den Jugendzentren teilnehmen. Mit dem Projekt „Mädchenwerkstatt“, welches im Rahmen der „Partnerschaft für Demokratie“ des Landkreises Neunkirchen im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird, soll ein Begegnungsraum geschaffen werden sowohl für einheimische wie auch für zugwanderte weibliche Teilnehmerinnen. In entspannter Atmosphäre können sie dort einen Teil ihrer Freizeit gemeinsam verbringen und gestalten mit einer Angebotsstruktur, welche die individuellen Bedürfnisse, Interessen und Lebenswelten berücksichtigt. Eigene Ressourcen und Erfahrungen können dabei erkannt und eingebracht werden und so zur Stärkung des Selbstwertgefühls beitragen. Durch die kulturübergreifende Nutzung ist es möglich, Vorurteile abzubauen und die gegenseitige Akzeptanz und Toleranz zu fördern.

Mädchen sind heute vielfach widersprüchlichen und teils verwirrenden Rollenanforderungen ausgesetzt, da einerseits von der Gesellschaft die Entwicklung zu emanzipierten, selbstbewussten jungen Frauen erwartet wird, andererseits ihre Lebensrealität oftmals von tradierten Rollenbildern beeinflusst wird, die stark abhängig sind von milieuspezifischen Hintergründen, wie Bildung, Kultur und Religion. Um diesen Spagat bewältigen zu können, sollen die Mädchen zum Nachdenken angeregt werden, Klischees hinterfragen und dabei eigene Ideen entwickeln. Ihnen steht in der Kinder-Kultur-Werkstatt des Neunkircher Familien- und Nachbarschaftszentrums die Basisausstattung für Bastel-, Werk- und Kreativangebote zur Verfügung, mit der sie sich - auch entgegen der stereotypen Nutzung – sowohl mit Hammer, Feile oder Holzarbeiten beschäftigen sowie Puppenhäuser oder Einhornställe bauen, sich gegenseitig frisieren, Puppen nähen oder Einladungskarten erstellen können. Ein Snoozleraum für Ruhe und Entspannung mit Bücherregal bietet Rückzugsmöglichkeiten und ermöglicht auch mal Gespräche unter vier Augen.

Ferienworkshops und Projektarbeiten runden das Programm ab. So besuchte die Gruppe die „Moderne Galerie“ in Saarbrücken und legte einen Hinterhofgarten an, für den sie einen Integrationspreis beim Wettbewerb „Neunkircher Wohlfühloasen“ gewonnen und aus dem inzwischen schon Kartoffeln, Tomaten, Mini-Äpfel, Bohnen und Gurken geerntet, verarbeitet und gegessen wurden.

Da die Mädchen oft aus kinderreichen Familien kommen, in denen ihnen kein eigener Raum zur Verfügung steht und sie dort teilweise die Verantwortung für kleinere Geschwister oder im Haushalt übernehmen müssen, ist dieses Projekt für sie eine Möglichkeit, sich außerhalb der stark getakteten Schulzeit mit Freundinnen zu verabreden, ihre eigenen Interessen zu entfalten und einen Teil ihrer Freizeit selbstbestimmt in angenehmer Atmosphäre zu verbringen. Indem die Mädchen unterschiedlicher nationaler, religiöser und soziokultureller Herkunft in Kontakt treten, sich vernetzen und solidarisch miteinander umgehen, wird über dieses Projekt sowohl die Partizipation als wesentliches Element von Integration als auch das Demokratieverständnis gefördert.

Text  Katja Janoschek