Tanztheater als Brücke zwischen den Kulturen



Text und Bild: Katja Janoschek

Ein integratives Theaterprojekt  an der Gemeinschaftsschule Spiesen-Elverberg sensibilisiert dafür, dass Verschiedenartigkeit von Kulturen nicht negativ besetzt sein muss und gegenseitige Akzeptanz den Umgang miteinander erleichtert.

Einfach ist das nicht – in den Schulen mit vielen unterschiedlichen Nationalitäten, der Pubertät, Sprachbarrieren, dem „Sich-Fremd-Fühlen“ und dem sich von dem „Fremden-Bedroht-Fühlen“ Wege der Deeskalation mit konstruktiven Lösungen zu finden. Hilfreich ist dabei die Annäherung über gemeinsame Erlebnisse in ungezwungenem Rahmen, die wenig Sprache und Vorkenntnisse voraussetzen. Eine Idee dazu hatten Marion Kaschek und Susanne Gebauer, Lehrerinnen an der Gemeinschaftsschule Spiesen-Elversberg und Leiterinnen des „Integrativen Theaterprojektes“, welches im Rahmen der „Partnerschaft für Demokratie“ des Landkreises Neunkirchen im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird. Die teilnehmenden Schüler können dabei mit Hilfe von szenischem Spiel und Tanztheater ihre eigenen Erfahrungen sowie Einstellungen ausdrücken und sich sowohl  kennenlernen als auch näher kommen.

„Nie wieder Hass“ – so heißt ein Theaterstück der interkulturellen Gruppe „Schams“ (arabisch für „Sonne“), die gemeinsam von Dr. Johannes Becher, von Beruf Arzt und Leiter der Jugendtheatergruppe „Musenbolde“ aus St. Ingbert und dem syrischen Schauspieler, Regisseur und Autor Mwoloud Daoud geleitet wird. Daoud selbst ist 2014 nach Deutschland geflüchtet, hat sich hier engagiert in der Gemeinde Quierschied, wo er zur Zeit lebt, und spielt am „Saarländischen Staatstheater“ im Musical „West Side Story“. Zusammen mit insgesamt 30 Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen verschiedener Nationalitäten erarbeiteten sie ihr erstes Stück „Nie wieder Hass“, in dem es um die Auswirkungen diktatorischer Systeme auf das Leben der Menschen, deren Flucht und Neuanfang mit ihren Ängsten, Hoffnungen und Wünschen geht und das mittlerweile mehrfach erfolgreich an verschiedenen Spielstätten im  Saarland aufgeführt wurde.

Daran angelehnt konnten die beiden Regisseure Daoud und Becher dafür gewonnen werden, gemeinsam mit deutschen und geflüchteten Schülern der Gemeinschaftsschule Spiesen-Elversberg ein eigenes Stück zu entwickeln, nachdem diese zum Auftakt des Projektes die Aufführung von „Nie wieder Hass“ besucht und mit den Schauspielern diskutiert hatten. Zum einen geht es um die Themen Krieg und Flucht, zum anderen aber auch um die Konfrontation mit dem Fremden, das häufig als Bedrohung empfunden wird. Es soll gezeigt werden, welche Vorbehalte und Ängste auf beiden Seiten herrschen, wie man diese überwinden und sogar als Chance nutzen kann. Als Einstieg läuft zur Zeit ein Theater-Workshop mit dem Ziel, den Beteiligten die Scheu vor der non-verbalen Darstellung zu nehmen. Daoud und Mustafa Alolabe, ein Student aus Syrien mit Schauspielerfahrung, unterstützen dabei die ausländischen Schüler auch sprachlich.

Im wöchentlichen Workshop entstehen bereits erste Szenen für das geplante Theaterstück, welches im kommenden Jahr im Rahmen eines fortgeführten Projektes entstehen soll. Diese Szenen werden am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien für die Mitschüler aufgeführt mit Präsentation einer „Making-Of-Dokumentation“, ein Zusammenschnitt von Videoaufnahmen während der Proben. Zudem können sich andere Schüler in verschiedenen Bereichen je nach Zeit und Interesse in die Produktion einbringen. Sie haben die Möglichkeit, sich beim Schreiben des Stückes, der Film- und Fotodokumentation, der Erstellung von Kulissen und Programmheft sowie bei der Planung und Durchführung der Auftritte zu beteiligen. So werden über dieses Projekt viele Vernetzungen entstehen, die verbinden und Grundlagen für gemeinsame Freizeitaktivitäten schaffen. Auch die Familien werden eingebunden und im Rahmen einer kleinen Feier zur Aufführung der ersten Szenen eingeladen.

Über das Theaterspiel kann man situationsorientiert agieren und dieses Medium als Vehikel nutzen, einen direkten Zugang  zu eigenen Ideen und Impulsen der Beteiligten zu bekommen. Durch den non-verbalen Anteil, gerade in Bereichen mit Sprachbarrieren, bedeutet es eine Steigerung der Kommunikation mit Interaktion der sozialen und kulturellen Umfelder. Im Spiel werden sich die Schüler und Schülerinnen ihrer eigenen Kultur mehr bewusst und sie können erkennen, dass Verschiedenartigkeit nicht negativ besetzt sein muss. Die Sensibilisierung dafür ist die Grundlage zu gegenseitigem Verständnis und Akzeptanz.