Eröffnung der Wanderausstellung „Vielfalt (er)leben“



Foto: Jasmin Alt

Am Freitag, den 24.11.2017, wurde im Kreisjugendamt Neunkirchen die Wanderausstellung „Vielfalt (er)leben“ der Gleichstellungsstelle des Landkreises eröffnet.

Vielen von uns geht es ziemlich gut, anderen weniger, manchen geht es richtig schlecht, andere sind einfach anders. Nehmen wir das wahr? Und wenn ja, wie nehmen wir das wahr? Können wir uns in andere, teilweise sehr viel schlechtere Start- und Umgebungssituationen hineinversetzen? Wie viel Empathie, Verständnis und Hilfe bringen wir auf für das, was uns von anderen unterscheidet?

„Mit dieser Ausstellung, möchten wir ein Zeichen setzen, dass in unserem Landkreis niemand benachteiligt oder diskriminiert wird, denn wir sind ein Landkreis der Vielfalt“, erläutert Landrat Sören Meng die Intention der Ausstellungskampagne. "Menschen haben unterschiedliche Chancen und Möglichkeiten. Manche haben leichten Zugang zu Ressourcen, wie beispielsweise Bildung, Wohnung oder Gesundheitsförderung. Anderen wird dieser Zugang durch Benachteiligungen erschwert. Wir möchten eine Gesellschaft, die allen die Möglichkeit zur Teilhabe bietet. Dazu gehört respektvoller Umgang ohne Diskriminierung“, ergänzt die Gleichstellungsbeauftragte Heike Neurohr-Kleer.

Das Konzept hat Heike Neurohr-Kleer von der Gleichstellungsstelle des Landratsamtes in Neunkirchen mit Unterstützung des Familien- und Nachbarschaftszentrums erarbeitet. Förderer sind der Landkreis Neunkirchen, das Adolf-Bender-Zentrum, die Sparkasse sowie das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen der „Partnerschaft für Demokratie“ des Landkreises Neunkirchen im Bundesprogramm „Demokratie leben!“.

Zur Eröffnung konnte für das Inputreferat Michael Müller, Mitautor der Mitte-Studie von 2016 und assoziierter Wissenschaftler des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld als Gastredner gewonnen werden. In seinem Vortrag beleuchtete er gesellschaftliche Tendenzen, die einer positiven Vielfalt entgegenstehen und die zu Abwertung und Ausgrenzung bestimmter Gruppen führen. Verbreitete Ideologien, welche die Akzeptanz von Vielfalt erschweren sind der Autoritarismus („Nach oben buckeln, nach unten treten“) und die soziale Dominanzorientierung (Annahme der Überlegenheit der eigenen Referenzgruppe bei Suche nach Zugehörigkeit und Identität). Und obwohl es klare rechtliche Regelungen gibt, die Diskriminierung aufgrund von inneren oder äußeren Merkmalen verbieten und das Recht des Menschen als gleichwertig definieren, unterlaufen Vorurteile und Diskriminierung - oft infolge stereotyper Schubladeneinteilung - die grundsätzlichen Prinzipien unserer Demokratie. Die Akzeptanz von Vielfalt ist, ebenso wie die Demokratie, kein Naturzustand und muss permanent hergestellt und erhalten werden. Schlussfolgernd stellte Michael Müller fest, dass die Akzeptanz von Vielfalt kein Luxus ist, sondern Notwendigkeit zur Erhaltung unserer Gesellschaftsform.

Zu Wort kamen auch Betroffene, die an einer Filmproduktion über Armut teilgenommen hatten. Der Film beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und dem Spannungsfeld Armut und Gesundheit und wurde von Manfred Klasen präsentiert, Leiter der „Saarländischen Armutskonferenz e.V.“, der einen Schattenbericht mit dem Titel „Die im Dunkeln sieht man nicht“ ankündigte, in dem die Lebenswirklichkeit versus Zahlen, Daten und Fakten beleuchtet wird.

Die Ausstellung selbst lädt zum Entdecken ein und bietet neben Schautafeln auch Elemente zum Anfassen, Übungen zur Selbsterfahrung, Bilder, Filme und Informationsmaterial zum Mitnehmen. So findet man einen Alters-Simulations-Anzug, der es jüngeren und/oder gesünderen Menschen ermöglicht, sich in eine Person mit Einschränkungen hinein zu versetzen, indem er die typischen Effekte des Alterns beziehungsweise einer Krankheit oder Behinderung vortäuscht. Damit kann man am eigenen Körper erfahren, welche Auswirkungen verschiedene Leiden, wie Eintrübung der Augenlinse, Gelenkversteifung oder Kraftverlust auf das alltägliche Leben, zum Beispiel Zeitung lesen, sich auf einen Stuhl setzen oder Stufen gehen haben können.

Es sind aber nicht nur Krankheiten oder Behinderungen, die das Leben schwerer machen können, es gibt viele Bereiche, in denen man Benachteiligungen begegnet. Die Wanderausstellung behandelt in 9 Stationen die Themen Wahrnehmung, Geschlecht, Behinderung, Alter, Migration und Rassismus, Kinder und Jugendliche, soziale Benachteiligung, sexuelle Orientierung und Miteinander.

Die Ausstellung kann ganz oder teilweise ausgeliehen werden und es besteht die Möglichkeit, sie pädagogisch zu begleiten oder um Workshop-Elemente zu ergänzen. Weitere Informationen, Anmeldung zur Ausstellungseröffnung und Buchungsanfragen für die Ausstellung bei: Landkreis Neunkirchen, Gleichstellungsstelle, Heike Neurohr-Kleer, Wilhelm-Heinrich-Str. 36, 66564 Ottweiler, Tel: 06824 / 906-2142, Mail: h.neurohr-kleer@landkreis-neunkirchen.de, Ausstellung: http://vielfalt.lknk.de