Interkulturelles Verständnis im praktischen Alltag



Diplom-Sozialpädagogin Yasmin Pasker-Dahy (AWO) bearbeitet mit den Teilnehmern individuelle Beispielfälle

Der „Praxistag „Interkulturelles Verständnis“ im Rahmen der Fortbildungsreihe „Vielfalt (er)leben“ ermöglichte den Teilnehmern, Fälle aus ihrer Praxis durch die Betrachtung verschiedener Perspektiven zu bearbeiten.

Fachkräfte der Sozialen Arbeit und der Jugendarbeit sowie Pädagogen stehen immer mehr vor der Herausforderung, mit einer Vielfalt von Kulturen und Identitäten adäquat umzugehen. Im Praxistag „Interkulturelles Verständnis“ der Fortbildungsreihe „Vielfalt (er)leben“, die im Rahmen der „Partnerschaft für Demokratie“ des Landkreises Neunkirchen im Bundesprogramm „Demokratie leben“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Zusammenarbeit mit dem Adolf-Bender-Zentrum gefördert wird, wurden konkrete Problemfälle der Teilnehmer behandelt, um sie durch die Betrachtung verschiedener Perspektiven aufzuarbeiten. Vorausgegangen war ein „Interkulturelles Wahrnehmungs- und Sensibilisierungs-training“, in dem aufgezeigt wurde, welche Relevanz eigene Prägungen, Bilder und Wahrnehmungen im Umgang mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen haben und dass wir oft nicht das sehen, was wir sehen, sondern das, was wir wissen.

Um bei interkulturellen Konflikten zufriedenstellende Lösungen zu finden, braucht es emotionale Kompetenz und eine Sensibilität, die es erlaubt, die Konzepte der Wahrnehmung, des Denkens, Fühlens und Handelns der Fremdkultur bei unserem Handeln zu berücksichtigen. So berichtete eine Teilnehmerin aus der Flüchtlingshilfe, dass es Unstimmigkeiten gab, nachdem bei Veranstaltungen viele angemeldete Teilnehmer einfach weggeblieben waren. Im Nachhinein hat man erfahren, dass es in Syrien unhöflich sei, etwas abzusagen. Legt man also eine „Kulturschablone“ über ein Problem, kann dies zum Verständnis beitragen. Auf diese Weise können Stereotype und Vorurteile revidiert und Neues erlernt werden, das die eigenen Erfahrungen und Werte bewusst zurückstellt. Denn nicht nur Sprache unterscheidet Länder und Kulturen voneinander, auch Gestik, Mimik, der Tonfall, die körperliche Distanz und Körperhaltung variieren je nach Kultur. Mit dem Wissen darüber können Missverständnisse und Konflikte minimiert werden.

Die Persönlichkeit des Menschen besteht einerseits aus erlernten Verhaltensmustern, andererseits aber auch aus Eigenschaften und Charakterzügen, die aus ererbten Genen und individuellen, persönlichen Erfahrungen resultieren, ebenso spielen Umstände wie Bildung, Geschlecht oder Alter eine Rolle. Darum sollten möglichst keine Pauschalisierungen vorgenommen werden. Es muss immer wieder hinterfragt werden, welche Umstände zu bestimmten Problemen führen und ob die kulturelle Ebene überhaupt damit zu tun hat.