Einführung

Schätzungsweise 300.000 - 500.000 Kinder und Jugendliche verweigern bundesweit jährlich
den regelmäßigen Schulbesuch. Aktuelle Schätzungen weisen darauf hin, dass ca. 1-2% der
Schüler/innen allgemeinbildender Schulen bereits verfestigte Formen der Schulverweigerung
bzw. Schulvermeidung aufweisen.
Experten gehen davon aus, dass von insgesamt 12,4 Mio. SchülerInnen etwa 10% der
Schule über Wochen oder sogar Monate hinweg fernbleiben. Eine bundesweite statistische
Erhebung liegt allerdings bislang nicht vor.
Je nach Definition des Begriffs „Schulverweigerung“ und den Erhebungsmerkmalen
differieren die Angaben in den regionalen Statistiken zwischen 3% - 15% der jeweiligen
Gesamtschülerschaft.
Erfahrungsberichte zeigen außerdem, dass Schüler/innen der Altersstufe 12-14 Jahre eine
für Schulverweigerung „anfällige“ Gruppe darstellt, da das verstärkte
Verselbstständigungsstreben in der Pubertät mit den Bedürfnissen nach Abgrenzung
gegenüber Erwachsenen und dem Wunsch nach „gelebter Autonomie“ korrespondiert
(entwicklungspsychologische Erklärung). Dabei ist der Unterschied zwischen Jungen und
Mädchen kaum noch spürbar (im Verhältnis etwa 60 zu 40). Erst bei Verfestigung der
Problematik lässt sich wieder ein erhöhter Anteil der Jungen im Rahmen der
Geschlechterrelation feststellen.
Aber auch bereits in jüngeren Jahren sind erhöhte Fehltage keine Seltenheit, auch wenn die
Ausdrucksformen der Verweigerung hier häufig andere sind (Fehlen oft durch Eltern
entschuldigt).
Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, schulverweigerndes Verhalten bereits früh
wahrzunehmen und entsprechend zu intervenieren, um eine Verfestigung der Problematik zu
vermeiden.
Lehrer/innen und Eltern, die meist als erste mit dem schulverweigernden Verhalten von
Kindern und Jugendlichen konfrontiert werden, sind dabei jedoch oft überfordert, da die
Sachlage nicht immer ganz eindeutig und die Verweigerungshaltung der Kinder nur schwer
aufzubrechen ist. Selbst für Experten/innen ist es nicht immer einfach, adäquat zu reagieren,
da die Gründe und Ursachen sehr individuell sind und diese Kinder und Jugendliche sehr
(zeit)intensiv betreut werden müssen. Außerdem gibt es bislang keine klaren Richtlinien oder
einen Maßnahmenkatalog, der zur Orientierung und Hilfe dienen könnte, schnell und effektiv
zu handeln.
Auch im Landkreis Neunkirchen werden Experten/innen immer häufiger mit dem Problem der
Schulverweigerung konfrontiert. Aus diesem Grund hat sich, ausgelöst durch die 1.
Jugendkonferenz 2007 im Landkreis Neunkirchen, ein Arbeitskreis „Schulverweigerung“
gebildet, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Handlungsempfehlungen zum Vorgehen bei
Schulabwesenheit zu erarbeiten. Diese sollen Lehrern/innen und Eltern helfen, schnell
adäquat handeln zu können und den Experten/innen dazu dienen, die Vielzahl der
vorhandenen Angebote im Raum Neunkirchen zu koordinieren und zu vernetzen.